Der Block

Schade, dass ich mich so wenig in der französischen Politik und deren Strukturen auskenne, sonst hätte ich Der Block von Jerome Leroy mit noch mehr Gewinn gelesen. Ein Schlüsselroman über den Front National, der in der nahen Zukunft spielt, in der nach anhaltenden Unruhen der Block über eine Regierungsbeteiligung verhandelt. Zwei Protagonisten, die stellvertretend dokumentieren, was den Rechtsextremismus sowohl für die bürgerliche Schicht als auch für Verlierer der Globalisierung so anziehend macht.

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Pasado mañana: Viaje a la España del cambio

Wie sieht die Zukunft übermorgen aus? Und welche Ansätze gibt es schon heute, von denen man auf die Zukunft schliessen könnte? Mit dieser Frage beschäftigt sich Bernardo Gutiérrez in dem Buch Pasado Mañana. Er beschreibt neben vielem anderen, die Ansätze von Podemos, parlamentarische Demokratie durch direkte Mitgliederbefragungen zu ergänzen und teilweise zu ersetzen und wie sich diese Form der Beteiligung in der täglichen politischen Arbeit auswirkt, welche Bedeutung die Verwaltung der grossen spanischen Städte durch Linke hat, was sich dadurch verändert hat und noch verändern wird.

Das alles begreift er als nützliche und notwendige Ansätze, um eine neue Gesellschaft zu errichten. Es war ja schon immer der Streit in den linken Bewegungen, ob es möglich sei, im Kapitalismus alternative  Gesellschaftsformen zu entwickeln oder ob diese Alternativen irgendwann vom kapitalistischen Wirtschaftssystem aufgesaugt werden. Das jüngste Beispiel ist wohl das World Wide Web und seine scheinbar unaufhaltbare Kommerzialisierung. Eine spannende Frage, die unter bestimmten historischen Bedingungen wohl immer wieder unterschiedlich beantwortet werden wird.

Unabhängig davon ist das Buch eine gute Zusammenfassung, was sich in den letzten Jahren in Spanien entwickelt hat.

 

Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet

Syrien ist ja gerade in aller Munde, wobei die Berichte in Fernsehen und Presse nicht unbedingt hilfreich sind, um sich ein Urteil zu bilden. Da kommt das Buch von Michael Lüders für mich gerade richtig. Wer die heutige Situation im Nahen und Mittleren Osten wirklich verstehen will, muss sich mit der kolonialen Geschichte und der Rolle der westlichen Politik auseinandersetzen. Dazu bietet das Buch einen guten Überblick.

Es wird deutlich, dass die Aussenpolitik der westlichen Staaten nicht von westlichen  Werten geprägt ist, sondern schlicht von geopolitischen Interessen. Das ist als solches nun nichts unbedingt Neues, aber Lüders untermauert das mit Fakten.

Natürlich geht es in dieser Region auch immer um Öl und Gas. Wenn man sich diesen Artikel oder dort auch einfach nur die Grafik der geplanten Pipelines  durch Syrien ansieht, bekommt man einen anderen,  Blick für auf die Nachrichten, die etwa die Tagesschau verbreitet, oder die man in den ewig gleichen Talkshows vorgesetzt bekommt.

Diese Nachrichten sind sowieso nur für das gemeine Volk, untereinander ist man viel offener, wie zum Beispiel dieser Artikel von Robert F. Kennedy Jr, zeigt, über den auch die TAZ berichtet.

Für mich auch lesenswert ein spanischer Blogbeitrag La guerra de Siria, algo mas que Yihadistas y Dictadores.

Und zum Schluss eine Stunde Geschichtsunterricht:

Wenn das Volk sich erhebt: Schönheit und Schrecken der Revolution

Ein spannendes Thema, das Gero von Randow hier anpackt, in Wenn das Volk sich erhebt: Schönheit und Schrecken der Revolution.  Im ersten Kapitel erläutert Randow, warum er dieses Buch geschrieben hat. Man kann es kurz zusammenfassen. In seiner Jugend war Randow für die Revolution, weil sie Zeitgeist war und später hat die schnöde Realität ihn bitter enttäuscht. Da hätte ich schon aufhören sollen zu lesen, aber man macht halt auch Fehler.

Nun ja, gibt schon ein paar interessante Aspekte, aber mir scheint, das Buch ist doch sehr von den Erfahrungen und Erlebnissen des Autors geprägt. Ob das für dieses Thema der richtige Ansatz ist?

Deutsch! Das Handbuch für attraktive Texte

Wolf Schneider wurde eine Zeitlang als Sprachpapst gehandelt.  Diesem Ruf bemüht er sich gerecht zu werden mit seinem Handbuch  für attraktive Texte, dem man durchaus etwas abgewinnen kann. Das Buch ist übersichtlich gegliedert und gibt Hinweise zu Satzaufbau, Wortwahl und anderen Dingen, die man beachten sollte, wenn man einen lesbaren Text produzieren möchte.

Die deutsche Sprache ermöglicht lange Bandwurmsätze, und bietet einen Vielzahl von zweigeteilten Verben an, die nicht immer zur Lesbarkeit eines Textes beitragen. Dazu meint Schneider (Kindle-Position 937):

Wer nett zu seinen Lesern sein will, weil sie ihm sonst davonlaufen: Der lässt nicht mehr als 6 Wörter/​12 Silben zu zwischen der Person oder der Sache, von der er redet, und der nun überfälligen Auskunft: Was tut die eigentlich? Oder: Was ist ihr widerfahren? (Ist das nicht schrecklich plausibel?)

Daraus entwickelt er Genereralregeln für verständlichen Satzbau (Kindle-Position 1271):

1. Die Kernfrage, der Satzkern ist immer: Wer tut was? Wer oder was bewirkt was? Wem ist was widerfahren? Was ist hier passiert? (Subjekt – Prädikat) Diese Kernfrage muss grundsätzlich und ausnahmslos binnen 6 Wörtern/​12 Silben beantwortet werden. Damit ist zugleich die Obergrenze des Abstands vorgegeben, der zwischen ein zweiteiliges Verbum gelegt werden darf (ich werde … kommen, ich schlage … vor).
2. Für vorangestellte Attribute, die Quetschwörter zwischen Artikel und Substantiv («Das niedliche, aber leider ziemlich schlecht erzogene Kind») ist das Gesetz der 6 Wörter/​12 Silben noch zu milde: Auch 4 oder 5 von ihnen sind unerwünscht.
3. Für das Vorfeld des Satzes (vorangestellte Nebensätze oder gehäufte nähere Bestimmungen) sind die 6 Wörter/​12 Silben kein Gesetz, aber eine solide Regel. Je länger das Vorfeld, umso länger lässt ja die Antwort auf die Kernfrage «Wer tut was?» auf sich warten.
4. Erlaubtes Vorfeld und Satzkern zusammengenommen, bedeutet dies: Spätestens nach 12 Wörtern hat der Leser erfahren, was der Schreiber ihm eigentlich sagen will. Ist dies pünktlich geschehen, so darf der Schreiber an diese 12 Wörter im selben Satz noch etliche Einzelheiten anhängen – wie viele, entscheidet sich nach dem Atem des Lesers.
5. Für Hauptsachen und Handlungen ist immer und allein der Hauptsatz da.

Es gibt noch mehr Bedenkenswertes und viele Beispiele, die den Gebrauchswert des Buches unterstreichen. Kann, sollte man mehrere Male lesen.

Conspiraciones: ¿Por qué no gobernó la izquierda?

Eine Chronik der Ereignisse nach der Wahlen  2015 in Spanien, die nach einer langen Hängepartie die bisherige Regierung unter Mariano Rajoy als Sieger hervorbrachten, auch wenn zeitweilig Mehrheiten für eine PSOE-Regierung möglich gewesen wären. Jesús Cintora formuliert den Anspruch, aufzuklären, wie dies verhindert wurde. Leider fördert er nichts Neues ans Licht, das man nicht schon vorher hätte lesen können.

Ataque a la democracia y al bienestar

Eine Sammlung von Aufsätzen von Vicenç Navarro über die Ursachen und Auswirkungen der Krise und Vorschläge, wie man damit umgehen kann. Navarro ist ein der Izquierda Unida und Podemos nahestehender Ökonom, der nachdem er wegen seiner antifranquistischen Ativitäten emigieren musste  einige Zeit in den USA gelehrt hat und nun wieder nach Barcelona zurückgekehrt ist.  Gemeinsam mit Juan Torres hat er auch das  Wirtschaftsprogramm von Podemos formuliert.