Krise und Kapitalismus (V) Wer hat eigentlich das Sagen?

2011 hatte ich in diesem Blog darüber geschrieben, wie sich Argentinien aus der Schudenfalle befreite. Klang sehr überzeugend damals und vorbildhaft für die europäischen Staaten wie Griechenland, Irland und Portugal.

Jetzt hat sich das Blatt wieder gewendet. Der argentinische Staat wurde von einigen Hedgefonds vor US-amerikanischen Gerichten auf die Rückzahlung von 1,5 Milliarden Dollar verklagt. Das Absurde daran ist, dass Argentinien von diesen Hedgefonds nie Geld geliehen hatte. Vielmehr kauften diese gezielt Schuldtitel auf, allein mit dem Ziel, diese einzuklagen. Während des Prozesses versuchten die Hedgefonds weltweit argentinisches Eigentum beschlagnahmen zu lassen unter anderem Botschaftsgebäude in verschiedenen Ländern.

Dass Argentinien nun den Prozess in letzter Instanz verloren hat, wirft ein Licht auf die Rechtssprechung, aber auch auf das geplante Freihandelsabkommen TTIP, in dem für Streitfälle zwischen Staaten und Privatunternehmen die Rechtssprechung durch ordentliche Gerichte ausgeschlossen und auf Schiedsgerichte verlagert werden soll. Ist doch angesichts der aktuellen Entwicklung eigentlich nicht mehr notwendig, klappt auch so.

Die ganze Geschichte kann man detailliert in den Blättern für Deutsche und Internationale Politik nachlesen. Der Artikel Argentinien unter Geiern ist kostenpflichtig (1,50 Euro), aber die lohnen sich, wenn man wissen will, wer in diesem System das Sagen hat.

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La Guyaba

Mein letzter Film der Internationalen Filmwoche Mannheim 2013 la Guyaba. Argentinische Filme, zumindest die, die ich kenne gehen oft ans Eingemachte. Dieser auch, Menschenhandel und Zwangsprostitution, ein hartes Thema, aber filmisch Klasse umgesetzt, wenn man den Schluß ausnimmt.

Argentinian Lesson

Einmal im Monat zeigt das Café Ateneo auf dem Plaza Mayor einen Film. Die Ausstattung basic, Leinwand in der Ecke, davor ein Tisch mit dem Projektor, aber es kommt ja auf die Filme an. Diesmal Argentian Lesson von Wojciech Staroń. Ein Dokumentarfilm über die nachfahren polnischer Einwanderer in Argentinien, denen nach Willen der polnischen Regierung die Segnungen der polnischen Srache zuteil kommen sollen. Zu diesem Zweck wird eine polnische Sprachlehrerin geschickt. Zwischen ihrem Sohn und einem anderen Kind entwickelt sich eine Freundschaft, die dieser Film ebenso beschreibt, wie die Lebensumstände ihrer Eltern.

De Martes a Martes

Filmwoche 2012 De Martes a Martes. Verstörender Film aus Argentinien über Juan, einen Textilarbeiter, der davon träumt ein Fitness-Studio aufzumachen. Die Gelegenheit dafür ergibt sich für ihn auf Kosten einer Kioskbesitzerin, die von einem Kunden vergewaltigt wird. Wie Juan diese Chance ergreift, ohne nachzudenken,  scheint zunächst unbegreiflich, aber nach einigem  Nachdenken nur folgerichtig. Die Menschen wären gerne gut, aber die Verhältnisse sind nicht so. Starker Film

Ex-Diktatoren wegen Kindsraubes verurteilt

Heute in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel über den Ausgang eines Prozesses gegen Videla und andere wegen Kindsraubs in den Jahren der argentinischen Diktatur 1976 bis 1983 Anders als  viele andere Länder arbeitet Argentinien dieses Kapitel seiner Vergangenheit auf, auch in Filmen wie Eva y Lola, den ich  2012 in der Mannheimer Filmwoche gesehen habe, oder Die offizielle Geschichte, der bereits 1985 entstand.  Der Prozess endet mit hohen Haftstrafen, aber wichtiger ist, dass er eine Anerkennung der Leistung der Menschenrechtsorganisation Großmütter der Plaza de Mayo bedeutet und eine symbolische Wiedergutmachtung für die Opfer dieser Diktatur. Besonders beeindruckend, wenn man sieht, wie das Thema momentan in Spanien behandelt wird.

Krise und Kapitalismus (IV) Wege aus der Schuldenfalle

Heute ein interessanter Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Der argentinische Ökonom Roberto Lavagna  beschreibt in einem Interview, wie er als Finanzminister auf die argentinische Krise von 2001 reagierte.

Hier zwei Kernaussagen:

SZ: Dennoch hat sich Argentinien danach erstaunlich schnell erholt. Wie geht Ihr Rezept gegen Staatspleiten?

Lavagna: Es geht erst mal damit los, was man nicht machen sollte. Meine Vorgänger hatten mit dem Internationalen Währungsfonds Kredite in Höhe von 20 bis 25 Milliarden Dollar vereinbart. Ich habe dem IWF im April 2002 gesagt, dass wir alle Kreditbestellungen zurückziehen und uns dafür die Freiheit nehmen, jenes Wirtschaftsprogramm zu machen, das wir für richtig halten.

SZ: Machen der IWF und die EU jetzt in Griechenland die gleichen Fehler wie früher in Argentinien?

Lavagna: Was Griechenland angeboten wird, das ist dem ähnlich, was uns 1999 angeboten worden war: Löhne und Renten senken, Steuern erhöhen. Das schützt die Interessen des Finanzsektors und hilft nicht, die Probleme des Landes zu lösen. Mit dem Geld werden die Gläubiger bezahlt, die Bevölkerung wird ausgepresst.

Ja, so kann man es auch sehen.

Und so macht man es:

SZ: Also Schuldenschnitt und weg von den Finanzmärkten?

Lavagna: Das, was mit dem Schuldenschnitt freigesetzt wurde, ging bei uns in öffentliche Bauten, in erhöhte statt gesenkte Löhne, Renten und Sozialprogramme. Da geht jeder Peso in den Konsum. Oder Sie geben das Geld den Gläubigern, das ist die Option des IWF.

SZ: Braucht Argentinien bald wieder wie früher Kredite?

Lavagna: Die Banken hätten das gerne. Argentinien hatte 35 Jahre davon gelebt, Schulden anzuhäufen, damit haben die Banken viel verdient – außer während dieser Entschuldung. Wir haben 2004 beschlossen, bis 2014 nicht mehr an die Kapitalmärkte zu gehen. Bitten Sie einen Alkoholiker nicht, eine Bar zu betreten.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Samstag, den 22. Oktober 2011, Seite 26

Eva y Lola

Filmwoche, die zweite. Heute Eva y Lola von Sabrina Farji, ein argentinischer Film, der sich mit den Auswirkungen der Militärdiktatur auseinandersetzt. Trotz der flippigen Szenen ein mich extrem berührender Film. In dem anschliessenden Gespräch antwortet Sabrina Farji sehr klug und engagiert. Man spürt, dass ihr dieser Film ein Anliegen war. Die offizielle Geschichte, ein Film, den ich vor Jahren gesehen habe, an den ich aber heute noch zurückdenke, behandelt das gleiche Thema.