You are not a Gadget

Jaron Lanier ist einer der Dinosaurier des Internet. In You are not a gadget untersucht er die Auswirkungen, die das Internet auf die Entwicklung der Gesellschaft und das Individuum hat.

The most important thing about a technology is how it changes people.

Entlang dieses Satzes untersucht Lanier die Entwicklung und die Wahrnehmung des Internet von den Anfängen bis heute. Eine der zentralen Aussagen dabei ist, dass die Repräsentation der Persönlichkeit im Internet nicht die reale Persönlichkeit abbildet, weil dazu die Technologie einfach nicht imstande ist. Dadurch entsteht ein unvollständiges und damit auch falsches Bild der jeweiligen Person (Stichwort ‚Freunde‘ in Facebook) und letzten Endes auch des gesamten Menschenbildes. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal des Internet, man muss nur an die Nachmittagssendungen des Unterschichtsfernsehens denken, oder an die Yellow Press, die ja genau das Gleiche tun, aber das macht es auch nicht besser.  Man muss nicht immer Laniers Meinung sein und manchmal schlägt auch die Larmoyanz dessen durch, der alles schon immer besser wusste, aber das Buch birgt eine Fülle von Anregungen zum Weiterdenken.

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Analog-Käse schmeckt besser

Heute ein interessantes Feature im Deutschlandfunk, über die Rolle der fünften Gewalt, wie es genannt wurde‚ ‚Public Relations‘. Public Relations, die gezielte Steuerung von Kommunikation für die Durchsetzung der eigenen Ziele ist kein neues Phänomen, hat aber durch die vielfältigen Verbreitungsmöglichkeiten im Internet eine neue Qualität gewonnen. Nachrichten sind eine Ware geworden, die einen ganzen Industriezweig nährt. Diese Industrie lässt sich immer neue Mittel und Wege einfallen, um die Meinung und die Position ihrer Auftraggeber zu verbreiten und durchzusetzen. Das geht von getürkten Meinungsumfragen bis zur Infiltration von Blogs und Foren im Web. Die Grenzen zwischen Journalismus und Public Relations sind schon lange aufgeweicht, weil die Akteure beliebig die Seiten wechseln. Das Feature bringt viele Beispiele und beleuchtet die Sache von verschiedenen Blickwinkeln. Welcher Information kann man noch trauen und welche ist gefälscht? Natürlich hilft es nach wie vor, sich zu fragen, wem es nutzt. Klar ist, ‚objektive‘ Informationen gibt es nicht, deshalb können Informationen immer nur Argumente in der Auseinandersetzung sein, und keine Beweise.