Federico Sánchez se despide de ustedes

federicoIn Federico Sánchez se despide de ustedes stellt Jorge Semprún mit viel Rückblenden seine Sicht der Dinge als spanischer Kulturminister unter Felipe González dar. Semprún ist ja eine Figur, die mich durchaus beeindruckt., wegen seines Lebensweges und dessen literarischer Verarbeitung. Aber in diesem Buch geht ihm meines Erachtens der historische Masstab verloren. Man mag ja zu González und dessen Politik stehen wie man will, aber die Lobhudelei für ein Ziehkind der deutschen Sozialdemokratie ist für mich nur beschränkt interessant.

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Zwanzig Jahre und ein Tag

In Zwanzig Jahre und ein Tag verarbeitet Jorge Semprún literarisch seine Erfahrungen als Kader der illegalen spanischen Kommunistischen Partei. Ein unheimlich dichter Roman in dessen Zentrum das Landgut Maestranza steht, auf dem jedes Jahr ein makabres Schauspiel aufgeführt wird, die Nachstellung der Ermordung eines Familienmitglieds der Gutsbeitzer Avedano durch aufgebrachte Bauern. Um dieses Ereignis herum gruppiert Semprún ein Panorama der ersten zwanzig Jahre des Franco-Faschismus und des Widerstands dagegen. Der Roman verlangt einiges an Kenntnissen der spanischen neueren Geschichte, wenn man alle Facetten erfassen möchte, nicht einfach zu lesen, aber enorm beeindruckend.

Das dritte Vaterland von Jorge Semprún

Auf die Frage, welches denn nun sein Vaterland sei, Frankreich oder Spanien, -sagte Jorge Semprún-, würde er gerne antworten: „Ich habe die Nummer 44904 eintätowiert, seit sie mich nach Buchenwald deportierten.“

Dieses Motiv und der Kampf gegen Diktatur und für Demokratie begleitete den Schriftsteller sein ganzes Leben, sei es im spanischen, französischen, oder eben im Widerstand in Buchenwald. Man lese seine Bücher und lerne daraus.

Jorge Semprún starb am 7. Juni 2011 in Paris.