Flash Boys

flashboysWenn man kurz vor 20.00 Uhr zur Tagesschau einschaltet, springt einem knapp vor der Werbung das Kasperl entgegen und erzählt, wie die Welt funktioniert, weil an der Frankfurter Börse ein Sack Reis umgefallen ist. Was dort als wichtige Nachrichten verkauft wird, ist aus zwei Gründen falsch.

Zum einen wird so getan, als hätten die Kurssprünge an der Börse etwas mit nachvollziehbaren Vorgängen in der realen Wirtschaft zu tun. Wer sich ein wenig damit beschäftigt, kommt bald zum Schluss, dass Börsen nichts anderes sind, als ein grosses Casino, und die Wetteinsätze eigentlich immer das Geld und oft auch die Existenz anderer Leute sind.

Zum zweiten wird suggeriert, Börsengeschehen fände in Handelssälen wie der Frankfurter Börse oder der NYSE statt. Das war vielleicht mal so, aber inzwischen wird Handel mit Wertpapieren vom Hochfrequenzhandel dominiert. Und damit kommen wir -nach einer etwas länglichen Vorrede- zu Flash Boys  von Michael Lewis.

Das Buch gibt einen guten Überblick, wie Hochfrequenzhandel funktioniert. Völlig unabängig vom substantiellen oder prognostizierten Wert einer Aktie oder eines anderen Wertpapiers klemmen sich Hochfrequenzhändler  zwischen Käufer und Anbieter und beeinflussen in atemberaubender Geschwindigkeit den Kurs zu ihren Gunsten. Damit das funktioniert, müssen die technischen Voraussetzungen stimmen. Diese wurden durch die Entwicklung der Informationstechnologie überhaupt erst möglich. Nicht mehr Menschen, sondern Programme steuern Kauf und Verkauf, und die Übermittlung der Transaktionen hängt davon ab, wie die Rechner miteinander vernetzt sind.

Neben den technischen Notwendigkeiten ist aber auch Voraussetzung, dass die Wertpapierhändler ihre Kunden systematisch betrügen, indem sie deren Transaktionsabsichten an die Hochfrequenzhändler ohne deren Wissen weitergeben. Das bestätigt nur Brechts Ausspruch, dass die Gründung einer Bank ein grösseres Verbrechen sei, als der Einbruch in eine Bank.

Ist das Buch lesenswert? Ja, man erfährt, WIE im Finanzsektor betrogen wird, DASS  betrogen wird, ist eh keine Neuigkeit mehr.

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The Big Short

Wer immer noch rätselt, wie die Krise von 2008 ausgelöst wurde, kann es in The Big Short von Michael Lewis nachlesen. Man schwankt nur, ob die Dummheit oder die kriminelle Energie der Akteure überwiegt. Ratingagenturen, deren Urteil auch gerade jetzt in der Eurokrise als unantastbar gilt, bescheinigen zusammengestückelten Finanzprodukten beste Bonität und amerikanische Investmentbanken vertreiben diese an ‚Idioten‘ (so die Bezeichnung der Investmenbanker für ihre Kunden) , sind aber offensichtlch von ihren eignen Machwerken so fasziniert, dass sie auch einen eigenen Schnitt machen wollen Auf der anderen Seite Hedge Funds und andere Investoren, die dagegen wetten. Der Ausgang ist bekannt. Verlierer dieser Wette sind am Schluss die Steuerzahler, denen die Kosten der Wette aufgebürdet werden.

Das Schöne an unserer Demokratie ist, dass nichts verborgen bleibt und alles gesagt werden kann, das Schlechte, dass dies alles folgenlos bleibt